Thursday, October 21, 2010

Neues vom Boot: Mauritius

Ich werde hier mal ehrlich sein: Bevor ich mir die Semester at Sea Route angeschaut habe, hatte ich noch nie von Mauritius gehoert. Port wer? Mauritius ist so klein, dass es das am dichtesten bevoekerteste Land der Welt ist – mit ganzen 1.3 Millionen Einwohnern. Der einzige echte Ureinwohner, der Dodo, ist schon seit mehreren Jahrhunderten ausgestorben, daher besteht die Kultur der Insel aus einer seltsamen Mischung aus Indern, Afrikaners, und den Ueberresten europaeischer Einwanderer. Und natuerlich Touristen.

Mauritius ist der Ort, den Leute meinen, wenn sie von tropischen Paradiesen reden. Das Wasser ist ein sanftes tuerkis, der Sand strahlend weiss, und die Palmen sehen aus wie auf einem Poster. Es gibt direkt am Strand Villen zu mieten, Katamarane, mit denen man schnorcheln gehen kann, Tauchen und Jet Skies. Addiere ueber 600 gelangweilte, ueberarbeitete Studenten, und schon hast du 36 Stunden lang reine Party.

        Tropisches Paradies + billiger Alkohol + 604*(18 bis 22 jaehrige)^gelangweilt = Katastrophe.

Ich will damit nicht sagen, dass ich es nicht genossen habe. Nach 6 Wochen non-stop Action war ich genauso bereit, mich mal zwei Tage lang zu entspannen wie alle anderen auch. Aber nur um das Verhaeltnis von Semester at Sea und Mauritius mal deutlich zu machen: Die mauritianische Regierung laesst Semester at Sea nicht laenger als zwei Tage belieben. Nicht mal unsere Administration nimmt es Ernst. Wir hatten keinen kulturellen Preport (d.h., ein Typ beim kulturellen/logistischen Preport meinte, „Wir sind hier nicht wegen der Kultur, Leute. Das hier ist Spring Break.“), wir hatten keinen Post-Port, wir hatten vielleicht eine Viertelstunde Vorbereitung in unserem Global Studies Kurs (das heute 75 Minuten auf indische Kunst und Wirtschaft allein verwendet hat). Also ja, ich war schon ein bisschen enttauescht von Semester at Sea, was das angeht.

Wie gesagt, das heisst nicht, dass es mir nicht gefallen hat. Ich fand es toll. Ich glaube nicht, dass ich schon mal an so einem schoenen Ort war, die Leute waren unheimlich freundlich, und ich glaube nicht, dass ich es jemals Leid sein werde,  auf einem Boot zu liegen und ab und zu zur Abkuehling mit tropischen Fischen schnorcheln zu gehen. Ich habe unseren Taxifahrer gefragt, was die UNESCO World Heritage Site in Port Louis waere (ein Museum fuer Sklaverei), und nachdem er erst einmal dachte, dass ich wissen wollte, was UNESCO ist (worueber ich lachen wuerde, aber ich habe schon zuviele Leute kennengelernt, die vor dieser Reise noch nie von UNESCO gehoert hatten, um mich dabei sicher zu fuehlen), hat er eine zwanzigminuetige Rede ueber die Geschichte von Mauritius gehalten, die tollsten Sehenswuerdigkeiten, das beste Shoppen, was wir unbedingt machen muessen, bevor wir wieder ablegen, wo man am Besten nachts Party macht, und, ach ja, uebrigens, das Gruenzeug am Strassenrand ist Zuckerrohr, wollt ihr anhalten und welches pfluecken? Also hat er uns beigebracht, wie man es mit den Zaehnen schaelt, wie man es richtig abbeisst (was schwerer ist, als man meinen sollte), und wie man hinterher die ganzen Fasern wieder von der Zunge bekommt.

Wir haben den ganzen Tag am Strand verbracht, und den ganzen zweiten Tag auf einem Katamaran, der um die Insel herumcruiste und nach guten Schnorchelplaetzen gesucht hat. Das Seltsame an tropischen Fischen ist, dass sie von weit weg ziemlich langweilig aussehen. Ja, es gibt ein paar Angel Fish und auch ein paar durchsichtige, aber die werden schnell alt. Aber dann taucht man etwas tiefer und der schwarze Fisch hat auf einmal ueberall blaue Punkte, der blaue hat gruene Flossen, und der graue ist in Wirklichkeit regenbogenfarbig. Uebrigens: Wenn ein Seeigel rot, gruen und blau aufleuchtet, ist er kurz davor, seine Nadeln nach einem zu schiessen, wie jemand auf unserrem Trip erfahren musste. Aber es war trotzdem ein toller Ausflug (Dummheit beiseite geht es dem Kerl gut) und wir waeren alle gerne noch etwas geblieben.

Eines, was ich ueber Semester at Sea, und die Art, wie es mich veraendert, zu sagen, ist dieses: Ich kann Orte wie Mauritius nicht mehr bedingungslos geniessen. Ich hatte eine tolle Zeit und wuerde sehr gerne noch mal echt Urlaub dort machen, aber gleichzeitig gibt es da immer dieses unangenehme Gefuehl, dass Mauritius eben doch ein Dritte Welt Land ist. Die Leute hier sind *arm*. Der einzige Grund, warum man hier Designerklamotten so billig kaufen kann, ist, weil die Herstellungskosten mit denen von beispielsweise China mithalten koennen. Die einzigen Einwohner, die man am Strand findet, sind diejenigen, die den Touristen Ketten und Muscheln verkaufen wollen. Und selbst Koralenstuecke am Strand ausbuddeln macht keinen Spass mehr, wenn einem klar wird, dass die Stuecke alle von den Korallenriffen um die Insel herum stammen – und der einzige Grund, warum sie da sind, ist, weil die Riffe sterben. Alle diese tollen Orte zu sehen hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Man versteht auf jeden Fall das Sprichwort „Ignorance is bliss.“

Alles Liebe von 11? 10.0N/081? 1.7E
Alexa

P.S. Bilder von Mauritius gibt es hier: http://www.facebook.com/album.php?aid=248848&id=834707681&l=4d03133a7f

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